Weniger ist mehr! - Ein Interview mit Stefan Heijnk
Was macht eine Website attraktiv? Was gilt es bei Texten im WWW zu beachten? Ein Interview mit Stefan Heijnk, Professor für Print- und Online-Journalismus an der Fachhochschule Hannover und Berater im Web- und Crossmedia-Publishing.
Herr Heijnk, wenn ein Unternehmen viel Aufwand für die eigenen Internetseiten betreibt, ist dies nicht unbedingt ein Garant für Erfolg. Wodurch zeichnet sich eine erfolgreiche Website aus?
Für den Erfolg einer Website spielen eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle, die passgenau aufeinander abzustimmen sind. Dazu gehört natürlich das Anpassen der Seiten an die Algorithmen der wichtigsten Suchmaschinen, allen voran Google. Dann eine nutzerfreundliche Navigation und nicht zuletzt natürlich ein zielgruppengerechter Themen- und Services-Mix.
Was können insbesondere kleine und mittlere Unternehmen mit kompakten Internetauftritten tun, um ihren Internetauftritt – mit vertretbarem Aufwand – nutzerfreundlich zu gestalten?
Da rate ich dringend, systematisch vorzugehen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Leitfragen sind immer die gleichen: Was wollen meine Kunden? Und: Welche Informationen sind für meine Kunden nützlich? Ein Fahrrad-Shop im Internet braucht beispielsweise keinen top-aktuellen Nachrichten-Ticker, sondern vor allem Tipps und Tricks zur Drahtesel-Pflege. Für einen Optiker macht es Sinn, einen Online-Sehtest anzubieten. Für ein Schwimmbad, wenn beispielsweise Baby-Schwimmkurse angeboten werden, Hinweise für die Eltern, was mitzubringen und worauf zu achten ist.
Niemandem ist geholfen, wenn ohne Konzept alles implementiert wird, was im Web gerade en vogue und technisch machbar ist. Letztlich sind es immer die Inhalte, die über den Erfolg einer Site entscheiden. Sind die Inhalte nützlich, dann ist Website in diesem Sinne auch nutzerfreundlich.
Der Text auf der Startseite spielt eine wesentliche Rolle für eine erfolgreiche Kundenansprache. Welche Fehler werden dort häufig gemacht?
In meinen Augen ist es der Kardinalfehler, wenn für die Startseite kein Zielgruppenkonzept existiert und sie deshalb als ungewichtetes Sammelsurium auftritt. Wenn nicht definiert ist, was mit der Website erreicht und wer über die Site angesprochen werden soll, sieht die Startseite häufig auch entsprechend aus. Und es fehlen dann auch die Benchmarks, mit denen festgestellt werden kann, wie erfolgreich die Strategie tatsächlich ist. Erfolg im Web setzt deshalb immer eine klare Strategie voraus. Erst mit definierten Zielen wird die Performance dann auch messbar.
Inhaltlich wäre es ein grober Schnitzer, auf der Startseite Nabelschau oder Selbstbeweihräucherung zu betreiben. Nichts ist unattraktiver. Die Nutzer interessieren sich in erster Linie für sich, sie sind ungeduldig und wollen ihre Informationsbedürfnisse möglichst rasch und unkompliziert befriedigen können. Darin sollten sie ernstgenommen und unterstützt werden.
Häufig verwenden Unternehmen bereits existierende Texte aus dem Printbereich, beispielsweise Broschüren, und setzen diese eins zu eins auch in ihre Website. Was halten Sie davon?
Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden, denn ein einmal erstellter Inhalt kann und soll natürlich möglichst effizient verwendet und für möglichst viele Medienkanäle genutzt werden. Einen Artikel aber nur kurz ins Web zu kopieren, das reicht nicht, denn die Rezeption am Bildschirm verläuft in Teilen anders als in der Zeitung oder Zeitschrift. Printtexte brauchen deshalb fürs Web eine mediengerechte Adaption und müssen fürs Lesen und Rezipieren am Bildschirm aufbereitet werden.






